Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Hitlers-Stellungnahme SPD-Ortsverein

Veröffentlicht am 25.11.2021 in Aktuelles

Der Gemeinderat der Stadt Weikersheim hat am 21.03.1933, dem Tag, an dem nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten der neue Reichstag in der Garnisonkirche von Potsdam feierlich eröffnet wurde, folgenden Beschluss gefasst: „Einem aus der Mitte des Kollegiums hervorgegangenen Vorschlag entsprechend wird anläßlich der heutigen allgemeinen Feier der Eröffnung des neuen deutschen Reichstages einstimmig beschlossen, dem Herrn Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg und dem Herrn Reichskanzler Adolf Hitler das Ehrenbürgerrecht der hiesigen Stadt-gemeinde zu verleihen und diesen Beschluß sofort den beiden Herren mittelst Luxustelegramms mitzuteilen und durch Anschlag bekannt zu geben.“

Diese Ehrenbürgerschaft hat der Weikersheimer Gemeinderat in seiner Sitzung vom 18.11. 2021 für die Person Hitler aberkannt.

Dazu gibt der SPD-Ortsverein folgende Stellungnahme ab:       

Seit annähernd 90 Jahren hat sich in der Stadtgeschichte von Weikersheim die Ehrenbürgerschaft eines Mannes versteckt, dessen abscheuliches Handeln bis in unsere heutige Zeit Auswirkungen hat.

Adolf Hitler, Nazi, Kriegsverbrecher, millionenfacher Mörder, war mit seinem NS-Regime auch in Weikersheim für die Verfolgung, Flucht, Deportation und Ermordung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger verantwortlich. Sie und Ihre Familien – sie waren alle angesehene Geschäftsleute - wurden zu Personen, die im Deutschen Reich nicht mehr erwünscht waren. So vollzog sich damals auf grausame Weise eine Spaltung der Gesellschaft in unserer Stadt.

Über Nacht wurde auch unsere Partei, die SPD, verboten. Hatten doch die Reichstagsabgeordneten der SPD als einzige gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt, mit dem Hitler den Reichstag ausschalten wollte, und sich damit gegen die nationalsozialistische Diktatur gestellt.

Für ihren Einsatz um den Erhalt der Demokratie und der Grundrechte, die uns heute so selbstverständlich sind, wurden viele Parteimitglieder verfolgt, in Konzentrationslagern inhaftiert und auch umgebracht.

Wer konnte, rettete sich ins Exil und arbeitete im Untergrund als Widerstandskämpfer. Der sicherlich bekannteste von ihnen war Herbert Frahm. Unter seinem Decknamen Willy Brandt kämpfte er von Norwegen und später von Schweden aus mit Tarnschriften und Zeitungsartikeln gegen Hitler und die nationalsozialistische Diktatur und setzte sich in Kampagnen für Inhaftierte ein. So war er maßgeblich an der internationalen Kampagne für die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Publizisten Carl von Ossietzky und dessen Freilassung aus dem KZ beteiligt.

Mit der Aberkennung der Ehrenbürgerschaft stellt sich Weikersheim seiner Geschichte. Einer Geschichte, die zu unserem größten Bedauern auch heute wieder durch rechtes Gedankengut, Hass, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus Anhänger findet.

Die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers ist mehr als ein Strich durch einen Namen in unserer Stadtgeschichte. Sie ist ein Denkanstoß sowie eine Mahnung, die uns zu nur einem einzigen Schluss kommen lässt:

                                       NIE WIEDER!

 

Counter

Besucher:411251
Heute:30
Online:1