SPD-Veteranen bereisten Bulgarien.

Veröffentlicht am 13.11.2018 in Pressemitteilungen

Bei ihrer Bulgarienrundreise lauscht die SPD-Reisegruppe – unter ihnen aus dem OV Günter Breitenbacher und Klaus Bock

Eine Fahrt mit vielen kulturellen Höhepunkten.

 

Auf ihrer Reise durch Bulgarien lernte eine Gruppe von Senioren und Seniorinnen der SPD Main-Tauber-Kreis, Ehepartnern und Freunden ein weitgehend unbekanntes Land am östlichen Rand der EU kennen und auch schätzen. Sie besuchte bedeutende nationale Denkmäler der bulgarischen Geschichte, welche z.T. in das Weltkulturerbe-Verzeichnis aufgenommen sind. Ein Besuch in der Deutschen Botschaft Sofia schloss die Rundreise ab.

Die Fahrt führte die Gruppe von Sofia aus in den Süden des Landes in die Nähe der griechischen und türkischen Grenze, nach Norden bis an das Schwarze Meer und wieder zurück. Die Reise war ein Gang durch die Geschichte des jungen EU-Staates. Hier haben die Thraker, die Römer, die bulgarischen Herrscher des Mittalters, die Osmanen, das bulgarische Bürgertum des 18. und 19. Jahrhunderts und auch die Russen ihre Spuren hinterlassen.

Einen Schwerpunkt der Reise bildeten alte Klöster und Kirchen der orthodoxen Kirche. Die Boyana-Kirche - südlich von Sofia gelegen und über Jahrhunderte in drei Etappen erbaut – ist wegen ihrer mittelalterlichen Wandmalereien berühmt. Hervorragend ist das königliche Stifterehepaar in würdevoller Haltung dargestellt. Im Rila-Kloster, dem inmitten einer bewaldeten Berglandschaft auf 1200 Meter Höhe gelegenen Nationalheiligtum Bulgariens, konnten die Reiseteilnehmer die Ruhe und Besinnlichkeit nachempfinden, welche die Anlage ausstrahlt. Das größte Kloster Bulgariens wirkt nach außen wie eine Festung und wurde im 10. Jahrhundert gegründet. Die Kirche, ein Meisterwerk der Architektur, und ihre Vorhalle sind mit bunten Fresken übersät. Ein weiterer Höhepunkt war das Bachkovo-Kloster. Das zweitgrößte Kloster Bulgariens liegt in einem bewaldeten Flusstal und ist durch seine Fresken in der Kirche und im Refektorium sowie durch eine wundertätige lkone bekannt.

In dem Städtchen Shipka fiel eine russische Kreuzkuppelkirche mit goldenen Zwiebelkuppeln auf. Sie erinnert an die Schlacht am gleichnamigen Pass, bei der russische Soldaten mit bulgarischen Freiwilligen um die Unabhängigkeit Bulgariens gegen türkische Trruppen im Winter 1877/78 kämpften. Die enge Verbindung zwischen Bulgarien und Russland in der Zeit des bulgarischen Unabhängigkeitkampfes soll auch die gigantische Alexander-Nevski-Kathedrale in Sofia in Erinnerung rufen. Sie ist eine steingewordene Dankbarkeitserklärung des bulgarischen Volkes an die 200.000 russischen Soldaten, die ihr Leben im russisch-türkischen Befreiungskrieg gelassen haben.

In der Nähe von Shipka besichtigte die Gruppe das Hügelgrab des thrakischen Fürsten Seuthes lll.aus dem 5.Jahrhundert v.Chr. Ein langer Gang führte sie zunächst durch einen Vorraum zu einem runden Raum mit einer hohen Kuppel und der dahinter liegenden Grabkammer. Beeindruckend war, wie alle Räume mit kolossalen Steinblöcken erbaut waren. Ein Abstecher in eine Manufaktur, die aus den Blättern der Damaszener-Rose ein besonderes Rosenöl herstellt, führte wieder ins 21. Jahrhundert zurück. Bei deren Besichtigung erfuhren die Reiseteilnehmer, dass Bulgarien der weltgrößte Erzeuger von Rosenöl ist und 70 % der Weltproduktion für kostbare Parfüms liefert. Interessant war die Information, dass aus drei Tonnen Blüten ungefähr ein Liter Rosenöl destilliert wird.

In die Welt der Thraker wurden die Reiseteilnehmer wieder im Heiligtum von Tatul – oben auf einem Berg gelegen - entrückt. Die Historiker glauben, dass in ihm Orpheus, der berühmte Sänger der Antike, bestattet wurde. Steil war der Aufstieg zur Felsenstadt Perperikon, hoch gelegen über einem Flusstal. Wahrscheinlich befand sich dort die königliche Residenz eines thrakischen Stammes und ein Tempel des Gottes Dionysios. In diesem Tempel soll der makedonische König Alexander der Große die Prophezeiung erhalten haben, dass er viele Länder erobern wird.

Großes Staunen löste die große Figur eines Reiters – mit einem Schwert in der Hand und einem Löwen zu Füßen des Pferdes – aus. Dieses in Europa einmalige Steinrelief ist bei dem Dorf Madara in einer imposanten Felswand auf 25 Meter Höhe eingemeiselt. Es stellt wohl einen bulgarischen Herrscher aus dem 8. Jahrhundert dar und zeigt die hohe Handwerkerkunst im damaligen Bulgarien. Aus der Zeit der bulgarischen Herrscher des 12. bis 14. Jahrhunderts stach die gewaltige Festung der Stadt auf einem Bergsporn in Tarnovo ins Auge, von einer kolossalen Mauer mit 3,50 m Dicke und 10 m Höhe umgeben. In ihrem Zentrum sind auch heute noch der Thronsaal und Räume für den Herrscher, seine Familie und die Bediensteten zu erkennen. Unterhalb dieser Gebäude zeigen erhaltene Fundamente, dass kleine Häuser für die Bevölkerung in den Schutz der Festung einbezogen waren. Eine gut erhaltene Kirche bekrönt die ganze Festung.

Ein Gang durch die denkmalgeschützte Altstadt von Plovdiv, einer der ältesten Städte in Europa, zeigte den Reiseteilnehmern auf engem Raum die verschiedenen Epochen Bulgariens: auf einem Hügel eine befestigte Siedlung der Thraker, darunter eine römische Siedlung mit gepflasterten Straßen, Resten eines Aquädukts, einem Theater und einem recht gut erhaltenen Stadion für Wagenrennen, eine Moschee, die an die türkische Zeit erinnert und urprünglich eine Kirche war, und Bürgerhäuser des 18. und 19. Jahrhunderts, welche im Erdgeschoss aus Stein und im Obergeschoss aus Holz erbaut wurden, wertvolles Mobiliar in großen Räumen enthielten und den Wohlstand der Bürger zeigten. Ein solches zweigeschossige Gebäude besichtigte die Gruppe beim Gang durch das Ethnologischen Museum.

Der Bummel durch die bezaubernde Altstadt von Nessebar glich einem Spaziergang durch ein riesengroßes Freilichtmuseum. Sie ist nur über einen relativ schmalen Damm von der Küste des Schwarzen Meeres aus zu erreichen. Zu den ältesten Bauwerken gehören elf mittelalterliche Kirchen, die teilweise noch vollständig, teilweise als Ruinen erhalten geblieben sind. Das attraktive Bild der Altstadt von Nessebar prägen auch die typischen Bürgerhäuser. Das Städtchen strahlte eine idyllische Ruhe aus. Ganz anders zeigte sich das Touristikzentrum Varna, die Perle am Schwarzen Meer. An einem Sonntagabend belebten viele Menschen die Fussgängerzone und das sog. grüne Herz, einen 80 Hektar großen Park entlang des Strandes.

Bei ihrer Rundreise durch Bulgarien konnten die Reiseteilnehmer vor allem bei der Fahrt durch die weiten ländlichen Räume feststellen, dass dieses Land nicht zu Unrecht als Armutshaus der EU bezeichnet wird. Manche Dörfer waren menschenleer, in vielen bewiesen zusammengefallene Mauern und Löcher in den Dächern, dass das Geld für die Substanzerhaltung fehlt. Der Reiseleiter informierte darüber, dass das Monatseinkommen durchschnittlich 500,00 Euro beträgt. Ein Viertel der Bevölkerung beziehe den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von monatlich 250,00 Euro. Das Bruttosozialprodukt liege weit unter dem EU-Durchschnitt. Wegen der niedrigen Einkommen haben viele Bürger das Land verlassen mit der Folge, dass seit dem Ende der kommunistischen Herrschaft die Bevölkerung von gut 8 Millionen die Einwohnerzahl auf sieben Millionen gesunken. Trotz dieser schwierigen Lage vertrauen nach Auskunft der Deutschen Botschaft rund 60 Prozent der Bevökerung darauf, dass sich durch die Zugehörigkeit Bulgariens zur EU die wirtschaftliche Situation bessern wird.

(gübr)

 

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