Tierschutz – Schluss mit Schlachthofskandalen

Veröffentlicht am 25.01.2021 in Aktuelles

Der Külsheimer Landtagskandidat der SPD, Anton Mattmüller, führte letzte Woche einen weiteren Talk im Rahmen seiner DeinMain-Tauber-Tour durch. Das Motto lautete „Tierschutz: Schluss mit Schlachthofskandalen“. Dazu führt er ein Live-Gespräch über die Social Media Plattform Instagram. Zu Gast war der Rastatter Landtagsabgeordnete Jonas Weber.

Weber ist tierschutzpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und gehört u.a. auch dem Ausschuss für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz an. In dieser Funktion beschäftigt sich Weber auch mit den vielen Schlachthofskandalen, die in den letzten Jahren in Baden-Württemberg ans Licht gekommen sind.

Der Beginn einer ganzen Reihe von Skandalen war 2018 in Tauberbischofsheim.  Der Hof musste schließen, nachdem massive Tierquälerei aufgedeckt wurde. Unter anderem wurden Tiere ohne richtige Betäubung geschlachtet. Weber berichtete, dass beim Versuch der Aufklärung massive Ungereimtheiten auftraten. Während in anderen Bundesländern wie Bayern ähnliche Vorfälle aufgearbeitet wurden, seien hier im Land andauernde Ausreden bedient worden. „Wir haben beim Ministerium nachgefragt, da hieß es: Es wird an Maßnahmen gearbeitet. Dann haben wir ein halbes Jahr später nochmal nachgefragt und haben die gleiche Antwort bekommen. So läuft es seit 2018.“ Da dürfe es auch niemanden wundern, dass Tierquälerei immer nur von Tierschutzorganisationen aufgedeckt wird. 
So wie auch zuletzt bei Schlachthöfen in Biberach und Gärtringen. 

Letztgenannter Fall sorgte für einen handfesten politischen Skandal. Nach Verfehlungen im Gärtringer Schlachthof wurde ein sogenanntes Zwangsgeld verhängt. Das verpflichtet die Betreiber dazu, Mängel zu beheben. „Das Zwangsgeld war eine Gelbe Karte. Der Betreiber hätte die nötigen Nachrüstungen einfach nur tätigen müssen und wäre mit einem blauen Auge davongekommen. Stattdessen hat er zum Hörer gegriffen und Landwirtschaftsminister Hauk um den Erlass der Zahlungen gebeten. Dieser Bitte ist Hauk nachgekommen. Das Pikante daran: Hauk ist sein Parteifreund und hatte den Schlachthof zuvor besucht.“

Mattmüller, der vorab im Austausch mit verschiedenen Landwirten aus dem Kreis war, ergänzte: „Manchmal kann man den Eindruck bekommen, dass es gewisse Verflechtungen von Politik und einzelnen Agrarvertretern gibt. Dies schadet nicht nur den Tieren, sondern ist auch ein Schlag ins Gesicht für die große Mehrheit der ordentlich arbeitenden Landwirte“. Er berichtete von verzweifelten Landwirten, die sich bei ihm gemeldet hatten.  „Viele Landwirte ächzen sowieso schon unter hohem Auflagen- und Preisdruck. Wenn dann auch noch politische Willkür und Tatenlosigkeit dazu kommen, muss man sich nicht wundern, wenn immer mehr Landwirte frustriert das Handtuch schmeißen.“

Die SPD will daher für Transparenz und bessere Bedingungen sorgen. Sowohl für Tiere als auch Menschen. Dafür brauche es vor allem gerechtere Löhne und höhere Gewinnanteile für Produzenten. Weber hierzu: „Am riesigen Kuchen der Landwirtschaft verdienen viele mit. Supermärkte, Düngemittelproduzenten, Logistikunternehmen, die weiterverarbeitende Industrie. Für die Landwirte, die den wichtigsten Anteil stemmen, bleiben oft nur Krümel übrig. Das ist absurd und falsch.“ 

Mit Blick auf die vielen – deutschlandweiten - Schlachthofskandale waren sich die zwei Politiker einig: Es braucht auch ein gesellschaftliches Umdenken. „Es läuft etwas falsch, wenn etwa Tönnies Sonderregeln gewährt werden, während Bio-Landwirte ums Überleben kämpfen“ so Mattmüller. 

Für den Main-Tauber-Kreis biete dazu die Ernennung zu Bio-Musterregion große Chancen. Weber und die SPD-Fraktion hatten diese unterstützt. „Wenn wir es auf lange Sicht schaffen, dass Krankenhäuser, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen regionale Bio-Qualität anbieten, dann schlagen wir mehrere Fliegen mit einer Klappe: Unterstützung von regionalen Betrieben, sinnvoller Klimaschutz und vor allem gute Produkte von und für die Menschen aus der Region.“ Mattmüller formulierte hierzu seine Vision: „Wenn wir etwa Schulkantinen mit regionalen Lebensmitteln beliefern und das auch im Unterricht aktiv ansprechen, können wir für ganze Generationen ein besseres Bewusstsein schaffen. Wer als Kind einmal auf einem Bauernhof war und mit eigenen Augen gesehen hat, woher das Essen auf dem Tisch kommt, der vergisst das nie wieder.“ Schließlich gehe es nicht um Verbote oder teils realitätsferne Bio-Siegel. 

Weber hierzu: „Bio-Wein beispielsweise ist in der Praxis oft schwer zu produzieren. Natürlich ist der große Anteil von Kupfer ein Problem. Aber der regionale Wein ist trotzdem nachhaltiger als ein importierter Bio-Wein.“ Es gehe daher darum, smarte und regionale Lösungen zu finden. Mattmüller verwies auf den Prozess der Bio-Musterregion-Bewerbung. „Wenn wir alle Akteure an einen Tisch bringen, entstehen die besten Lösungen. Regionale Flexibilität und Kreativität sind immer besser als realitätsferne Patentlösungen aus Stuttgart“.

Hierzu nannte er konkrete Punkte: Verbundlösungen in der Ausbildung, die Verhinderung einer Schließung der Bad Mergentheimer Metzger-Azubi-Klasse und Investitionen in regionale Verarbeitungsstrukturen. 

 

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