Haushaltsrede 2026 der SPD/UB-Fraktion

Veröffentlicht am 03.02.2026 in Fraktion
Foto Anja Lotz

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schuppert,
geschätzte Damen und Herren der Verwaltung, des Gemeinderats und der Ortschaftsverwaltungen,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

uns liegen heute die Haushaltssatzung 2026, die Finanzplanung bis 2029 sowie die Wirtschaftspläne der Eigenbetriebe zum Beschluss vor.

Wir als SPD/UB-Fraktion möchten den Blick auf das Grundsätzliche richten: Was bewegt unsere Stadt? Und warum entscheiden wir uns so, wie wir es heute tun?

Die Wahrheit ist: Weikersheim wird, wie vielen anderen Kommunen auch, die Luft zum Atmen genommen.

Wir stehen vor einem gigantischen Investitionsstau. Ob der Kindergartenneubau in Elpersheim, die Sanierung der Straßen mit Wasser- und Abwasser in der Würzburger Straße in Schäftersheim oder die Wohnstraßen entlang der Alten Steige und in der Innenstadt, der Erhalt der Sporthallen, die Baumaßnahmen an der alten Schule in Weikersheim oder der Zehntscheune in Laudenbach – der Sanierungsbedarf ist enorm. Auch in Nassau wartet man auf eine Lösung für die in die Jahre gekommene Schule und Turnhalle.

Gleichzeitig fordern Bund und Land immer neue Aufgaben ein – von der Ganztagsbetreuung in Schulen bis zum Klimaschutz –, ohne für die entsprechende finanzielle Ausstattung zu sorgen. Überall wird an uns gezerrt, während die Taschen leerer werden. Die Folge: Weikersheim wird zur Erfüllung dieser Pflichten wieder hohe Schulden machen müssen.

Die finanzielle Belastung spüren wir alle direkt. Die Abwasserpreise mussten kräftig angezogen werden, da Defizite nicht im allgemeinen Haushalt verbleiben dürfen. Auch beim Trinkwasser ist mit Preissteigerungen zu rechnen und Eltern müssen für die Kita-Plätze ihrer Kinder immer tiefer in die Tasche greifen.

Wir versuchen gegenzusteuern: Synergien bei der kommunalen Wärmeplanung mit Nachbarkommunen bringen kleine Entlastungen. Auch die Auflösung der AöR Tauberphilharmonie und deren Eingliederung in den Haushalt spart Steuern und vereinfacht die Verwaltung. Doch seien wir ehrlich: Solche Maßnahmen sind oft nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.

Im Ergebnishaushalt fressen die Fixkosten – von Löhnen über Sachkosten bis hin zu den Umlagen -, sämtliche Einnahmen auf. Zurück bleibt ein dickes Defizit. Noch klimpert es in unserem Sparsäckel, doch schon ab 2027 werden wir ganz genau hinhören müssen, um den „Notgroschen“, die Mindestliquidität, darin überhaupt noch zu erahnen.

Wir werden aus der defizitären Lage in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht herauskommen.

Zudem schwächelt die Konjunktur. Unsere Wirtschaftsförderungsgesellschaft, einst als Motor für Startups und Unternehmen gedacht, wird derzeit ausgebremst. Abgegebene Versprechen von Unternehmen liegen auf Eis. Die Wirtschaftsförderung sitzt auf ihren Investitionen fest. Wir müssen damit rechnen, dass Gewerbesteuern abflachen und Bundesvorgaben, wie der Wachstumsbooster, die kommunale Abgabenlast weiter reduzieren.

Nun könnte man fragen: Warum leistet sich Weikersheim dann Investitionen in Kultur, Tourismus oder unsere Bäder? Nichts davon ist überlebenswichtig, aber alles davon macht die Lebensqualität und die Strahlkraft unserer Stadt aus. Nehmen wir unser Frei- und Hallenbad: Die Forderung, dass Kinder schwimmen lernen müssen, ist hoch emotional und absolut berechtigt. Doch der Kraftakt, den Erhalt des Hallenbades zu sichern, ist so gewaltig, dass wir die Sanierung nur in Etappen und unter größten Anstrengungen bewältigen können.

Es fließen große Summen für den Brandschutz in das Logierhaus der Musikakademie oder die Technik und den laufenden Betrieb der Tauberphilharmonie – Geld, das wir schmerzlich für Straßen, Turnhallen oder Brücken vermissen.

Wir könnten uns nun trefflich über dieses „Kürprogramm“ streiten. Doch demokratische Entscheidungen spiegeln den Willen unserer Bürgerinnen und Bürger wider – und diesen Willen respektieren wir.

Umgekehrt zollen uns viele Gönner und Ehrenamtliche Respekt für diesen Mut. Ihr persönliches und finanzielles Engagement ist der soziale Kitt, der unsere Stadt zusammenhält. Dafür sind wir zutiefst dankbar.

In dieser schwierigen Lage schätzen wir uns glücklich, einen Bürgermeister wie Sie, Herr Schuppert, an der Spitze zu wissen. Sie behandeln alle Stadtteile, Vereine und Anliegen mit der gleichen Fairness. Sie fordern von sich selbst Höchstleistung und setzen die knappen Ressourcen taktisch klug für unsere Kommune ein.

Unterstützt werden Sie dabei von unserer Kämmerin und ihrem Team. Mit Weitblick, klarem Kompass und – wenn nötig – deutlicher Bestimmtheit berät sie den Gemeinderat. Sie fahndet unermüdlich nach Fördermitteln und stellt sicher, dass wir keine Chance ungenutzt lassen. Gemeinsam arbeiten wir uns so Stück für Stück durch die lange Liste der Prioritäten.

Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf das gute Miteinander hier im Gremium. Wir danken den anderen Fraktionen für den offenen und fairen Austausch bei den Haushaltsberatungen. Dieser Schulterschluss im Gemeinderat ist die Basis dafür, dass wir die anstehenden Herausforderungen für unsere Bürgerinnen und Bürger meistern können.

Gerade jetzt zeigt sich ein kleiner Silberstreif am Horizont: Weikersheim erhält knapp 5 Millionen Euro extra aus dem Bundes-Sondervermögen (LuKIFG). Diese Finanzspritze ermöglicht uns die Umsetzung wichtiger Infrastrukturprojekte, die ohne Eigenmittel finanziert werden dürfen. Doch sorgenfrei macht uns das nicht. Die Sondermittel lindern den Schmerz, aber sie heilen nicht das strukturelle Problem. Zudem wissen wir nicht, ob Bund und Land dieses „Füllhorn“ später durch Einsparungen an anderer Stelle wieder ausgleichen. Klar ist: Die Aufnahme weiterer Kredite in Millionenhöhe bleibt ab 2027 leider bittere Realität.

Auch das Laukhuff-Areal beschäftigt uns weiterhin. Ein Kauf durch die Stadt ist finanziell unmöglich, doch wir haben hervorragende Rahmenbedingungen für Investoren geschaffen. Ob und wann ein Verkauf erfolgt, liegt in den Händen der Eigentümer und potenzieller Interessenten.

Beim Thema Wohnen haben wir geliefert: Mit der Erweiterung des Baugebiets Dahlienweg in Elpersheim schließen wir die Bauplatzbeschaffung in 2027 für die nächsten Jahre ab. Die Erfahrung zeigt, dass unsere städtischen Flächen benötigt werden und immer dankbare Abnehmer finden.

Fazit unserer SPD/UB-Fraktion:

Weikersheim ist eine prosperierende Kommune im ländlichen Raum. Doch wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Um auch künftig „die Nase vorn“ zu haben, müssen wir weiter in unsere Infrastruktur investieren. Wir dürfen dabei jedoch weder unsere Finanzen noch unser Personal überfordern. Deshalb setzen wir unsere Ziele weiterhin verantwortungsbewusst in Etappen um.

Wir sind überzeugt: Der Weg, den der Bürgermeister gemeinsam mit der Verwaltung und diesem Gemeinderat eingeschlagen hat, ist der richtige. Wir werden die Fixkosten der Stadt in den kommenden Jahren wachsam beobachten und, sollten Einnahmen wegbrechen, mutig nachsteuern.

Im Vertrauen auf diese solide Arbeit stimmt die SPD/UB-Fraktion der vorliegenden Haushaltssatzung 2026, der Finanzplanung bis 2029, sowie den Wirtschaftsplänen der Eigenbetriebe Abwasser, Wasser, Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der Musikakademie zu.

 

Vielen Dank,

Anja Lotz,  Martina Seyfer,  Carl Klärle

 

 

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